Podimo – Das Netflix für Podcasts?!

Podimo – Das Netflix für Podcasts?!

Im Gegensatz zu Videos oder Fernsehserien gibt es bei Podcasts keine wirklich dominierende Plattform. Podimo will das ändern und nach eigenen Aussagen zum “Netflix für Podcasts” werden.

Was Podimo genau ist, welche Optionen es hier sowohl für Podcaster, als auch für Podcast-HörerInnen gibt, erfahrt ihr im Folgenden.

Zudem gehe ich auf das etwas problematische Geschäftsgebahren ein, welches Podimo beim Start an den Tag gelegt hat.

Was ist Podimo?

Podimo – Das Netflix für Podcasts?!Podimo ist ein Startup aus Dänemark, welches in dem kleinen Land sehr erfolgreich ein Podcast-Verzeichnis mit App und Abo-Model eingeführt hat.

Das bedeutet, dass es bei Podimo nicht nur frei verfügbare Podcasts im Verzeichnis gibt, sondern auch exklusive Inhalte. In Dänemark gibt es wohl über 100 exklusive Formate in der App.

Nun möchte man expandieren und sieht noch mehr Potential in Deutschland. Deshalb ist man im November mit einem deutschen Verzeichnis gestartet.

Das Besondere an Podimo ist, dass es eben nicht nur ein kostenloses Verzeichnis ist, sondern ein Abo anbietet. Podcaster können auf Podimo exklusiv veröffentlichen und bekommen dafür Geld. Wer nicht exklusiv dort veröffentlicht, der bekommt zumindest ein wenig Geld, aber nur wenn man sich kümmert. Dazu aber weiter unten mehr.

Braucht es ein Netflix für Podcasts?

Nach eigenen Angaben will man das Netflix für Podcasts werden, was schon sehr gut erahnen lässt, dass das Abo-Modell hier Priorität hat.

Warum aber gibt es den Wunsch nach einer zentralen Plattform, wo alle Podcasts sind?

Die Podcast-Welt ist sehr heterogen. Anders als bei Videos (wo YouTube quasi das Monopol hat), Streams (wo Twitch dominiert) und Serien (wo Netflix der größte Player ist), sieht das bei Podcasts anders aus. Es gibt es sehr viele unterschiedliche Plattformen. iTunes, diverse Podcast-Hoster, viele Podcast-Apps, Spotify, Deezer, Anchor und so weiter. Man kann den Podcast sogar auf dem eigenen Webspace hosten und muss keinen Drittanbieter nutzen.

Das macht unter anderem auch die statistische Auswertung schwierig.

Zudem sorgt es dafür, dass die Monetarisierung von Podcasts nicht so einfach ist, da die Hörerschaft auf viele Plattformen verteilt ist. Direkte Abo-Modelle sind bisher unmöglich.

Stattdessen kann man Geld verdienen durch Patreon, was unabhängig von den eigentlichen Apps und Plattformen ist. Auch Sponsoring ist möglich.

Bisher gab es jedoch keine Einnahmen von der Plattform selbst, z.B. durch Abos. Hier will Podimo ansetzen.

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Welche Möglichkeiten bietet Podimo?

Grundsätzlich ist Podimo ein großes Verzeichnis von Podcasts, dass ähnlich wie andere Podcast-Apps funktioniert. Es gibt einen kostenlosen Account, mit dem man Podcasts abonnieren und hören kann.

Daneben gibt es aber noch ein Bezahl-Abo, von aktuell 4,99 Euro (ab Januar 2020) pro Monat. Damit bekommt man auch die exklusiven Podcasts zu hören, die Podimo anbieten will. Soweit, so gut. Das hört sich nach einem Modell an, was okay ist und durchaus Mehrwert für Hörer bieten kann.

Aus Podcaster-Sicht stellt sich das wie folgt dar. Wer exklusiv auf Podimo einen Podcast anbietet (also nicht noch zusätzlich auf iTunes, Spotify …), der bekommt 50% von den Einnahmen, anteilig auf die Hördauer. Hier will Podimo wohl wirklich genau messen, welcher der zahlenden Hörer was wie lange gehört hat und die Podcasts entsprechend entlohnen.

Das klingt erstmal fair, aber im Detail muss sich zeigen, welche Auswirkungen das hat. Sind kurze Podcasts da im Vorteil, weil diese eher komplett gehört werden? Oder sind lange Podcasts im Vorteil, wenn bei Podimo von “Hörzeit” gesprochen wird, an der sich die Ausschüttung orientiert. Beide Extreme wären irgendwie unfair.

Wer nicht exklusiv bei Podimo ist, bekommt 20% der Einnahmen, was schon arg wenig ist. Und man muss dafür auch noch aktiv werden.

Der schlechte Start von Podimo

In der Theorie hört sich das also nicht so schlecht an, aber es gab zum Start zusätzlichen Ärger.

Wie sorgt man am Anfang erstmal für viel Reichweite? Man fügt einfach alle deutschen Podcasts, deren RSS-Feed man finden konnte, in das eigene Verzeichnis ein.

Ich kann diesen Schritt an sich nachvollziehen, aber in diesem speziellen Fall gibt es ein Problem. Podimo ist kein vollkommen freies Verzeichnis, sondern bietet ein Abo an und verdient damit Geld, auch durch die kostenlosen Podcasts, die ungefragt übernommen wurden.

Nur einen Teil der Podcaster hat man vorher per Mail informiert, und auch diesen wurde nur ein Opt-Out angeboten. Es war also keine Frage, sondern man hat die Podcasts übernommen.

Die meisten Podcaster haben allerdings gar keine Info bekommen, ich auch nicht. Nur über andere Berichterstattung habe ich überhaupt davon erfahren. Und siehe da, auch meine Podcasts wurden in Podimo aufgenommen.

Das ist schon aus urheberrechtlicher Sicht problematisch, denn auch Podcast-Inhalte, sowie Texte und Cover unterliegen dem Urheherrecht. Aber durch das Abo verdient Podimo damit Geld.

Da Podimo Abos anbietet und dafür auch mit den kostenlosen Podcasts wirbt, die man ungefragt übernommen hat. Podimo verdient also mit kostenlosen Podcasts, ohne Zustimmung der Podcaster. Das ist rechtlich wohl eine Grauzone.

Man kann einen Podcast beanspruchen und so zumindest 20% erhalten, aber das ist natürlich die falsche Reihenfolge. Man hätte die Podcaster vorher fragen müssen, ob es okay ist, dass sie in das Verzeichnis aufgenommen werden. Und dann würde man auch von Anfang an einen Anteil an den Abos ausschütten.

Wenn man sich als Podcaster nicht bei Podimo meldet, bekommt man nichts und Podimo verdient mit dem Podcast Geld.

Zudem sind viele Podcaster unzufrieden mit den 20%, wenn der Podcast nicht exklusiv ist. 80% geht an Podimo, für fast nichts! Bei den kostenlosen Podcast übernimmt Podimo ja nicht das Hosting und es gibt keine spezielle Vermarktung der Podcasts. Dafür ist der Anteil von Podimo viel zu hoch.

Und die 50% der Einnahmen, wenn man exklusiv bei Podimo ist, finde ich auch zu wenig. Schließlich ist das dann die einzige Plattform, wo man seinen Podcast hat.

Viele Podcaster haben inzwischen ihrem Unmut Luft gemacht. Das Vorgehen ist einfach nicht nett und auch nicht fair.

Zudem macht Podimo generell einen etwas problematischen Eindruck. Die Teilnahmebedingungen gibt es bisher nur als englischsprachige Terms of Use, was eigentlich in Deutschland gar nicht erlaubt sein sollte.

Mittlerweile wird auf der Website auch der kostenlose Account angezeigt, aber zuerst wurde nur der Test-Account für den Premium-Zugang beworben. Das war auch nicht wirklich okay.

Ich warte ab

Podimo – Das Netflix für Podcasts?!Der eine oder andere fragt sich nun, wo das Problem liegt. Man bekommt als Podcaster doch dadurch neue Reichweite.

Das finde ich ja auch okay und der generelle Ansatz von Podimo ein Abo-Modell einzuführen ist spannend. Ich habe nur mit der Vorgehensweise ein Problem, und da bin ich nicht der einzige.

Ich werde meinen Podcast mal claimen und schauen, wie sich das alles bei Podimo entwickelt. Ich bin gespannt, ob die App es wirklich schafft einen großen Marktanteil zu bekommen. Aus finanzieller Sicht ist es mir vorerst egal, da ich eh kein Geld mit meinem Podcast verdiene, aber ich möchte einfach mal sehen, wie sich Podimo entwickelt.

Die App selbst werde ich nicht nutzen, da ich mit Podcast Addict mehr als zufrieden bin.

Wie ist eure Meinung dazu und habt ihr dort einen Podcast gelistet?

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