Zuckerbrot oder Peitsche im Crowdfunding! Exklusiv Podcast-Episoden oder mit Werbung nerven?

Zuckerbrot oder Peitsche im Crowdfunding! Exklusiv Podcast-Episoden oder mit Werbung nerven?

Crowdfunding auf Patreon und Steady ist sehr verlockend für Podcasts, aber die Realität zeigt, dass es schwer ist auf wirklich sehr gut Einnahmen zu kommen.

Das musste auch der bekannte Gaming-Podcast Insert Moin feststellen und hat nun einen starken Kurswechsel vorgenommen, den ich sehr spannend finde. Doch das ist nicht der einzige Podcast, der diesen Weg eingeschlagen hat.

Was genau dieser neue Weg ist beleuchte ich im Folgenden. Und ich gehe der Frage auf den Grund, ob in der Podcasting-Szene eher Zuckerbrot oder Peitsche funktioniert.

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Die Grenzen des Crowdfundings?!

Vor vielen Jahren war die Begeisterung über die neuen Möglichkeiten des Crowdfundings noch groß. Patreon ist der Platzhirsch und Erfolgsgeschichten von Podcasts mit hohen monatlichen Crowdfunding*-Einnahmen haben die Hoffnung geschürt, dass dies für viele Podcaster ein Weg zur finanziellen Unabhängigkeit sein kann.

Vom Podcast zu leben war der Traum von vielen, aber inzwischen ist klar, dass dies nur sehr wenigen gelingt.

Die Zahl der Podcasts ist in den vergangenen Jahren nochmal stark angestiegen. Aktuell wird die Zahl der deutschsprachigen Podcasts auf rund 60.000 – 70.000 geschätzt. Vor rund 5 Jahren war es noch rund 10.000.

Und auch wenn die Zahl der Podcast-Hörer ebenfalls angestiegen ist, so kann es mit diesem Wachstum nicht mithalten. Das bedeutet, dass immer mehr Podcasts um die Aufmerksamkeit der Hörer streiten.

Hinzu kommt, dass die bereits erfolgreichen Podcasts deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen und weiterhin stark wachsen, während der absolute Großteil der kleineren Podcasts stagniert.

Insert Moin mit Stagnation im Crowdfunding

Auch in der Gaming-Szene ist es nicht einfach mit einem Podcast so erfolgreich zu werden, dass man davon leben kann. Hier gibt es zwar eine sehr Podcast-affine Zielgruppe, aber auch deren Potential ist begrenzt, was Crowdfunding angeht.

Hinzu kommt, dass vor allem 2 Podcasts, Stay Forever und The Pod, einen großen Teil des Crowdfunding-Potentials abschöpfen. Dann kommt erstmal eine Weile nichts. Insert Moin mit dem lieben Manu und seinem Team ist seit vielen Jahren aktiv mit über 3.600 Podcast-Folgen.

Und es sah vor einigen Jahren auch nicht so schlecht aus. Laut graphtreon.com hatte man vor 5 Jahren rund 500 zahlende Unterstützer bei Patreon, die rund 2.700 Dollar bezahlt haben. Hinzu kommen noch die Steady*-Unterstützer, aber da kann man leider keine zeitlich Entwicklung sehen.

Dennoch sieht man allein bei Patreon sehr gut, dass die Zahl der zahlenden Unterstützer seitdem stagniert bzw. leicht rückläufig ist. Aktuell sind es etwas mehr als 350 zahlende Unterstützer bei Patreon, die rund 2.000 Dollar pro Monat einbringen.

Insert Moin Crowdfunding Entwicklung auf Patreon in 5 Jahren
Insert Moin Crowdfunding Entwicklung auf Patreon in 5 Jahren

Hinzu kommen derzeit rund 230 Mitglieder bei Steady, die 1.600 Euro pro Monat beisteuern.

Das klingt natürlich nicht schlecht, aber nach Steuern bleibt davon deutlich weniger und es handelt sich hier ja um ein Team. Also allein davon leben geht nicht.

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Zuckerbrot oder Peitsche im Crowdfunding?

Diese Stagnation und die Frustration darüber, dass trotz vieler neuer Formate und neuer Ideen in den vergangenen Jahren keine positive Entwicklung zu erreichen war, hat Manu und das Team von Insert Moin nun zu einem drastischen Kurswechsel bewegt.

Am 22. Januar 2026 hat Manu in einer kurzen Podcast-Folge darüber gesprochen. Man hat sich dazu entschieden vom Zuckerbrot zur Peitsche zu wechseln, um es mal so zu sagen.

Bisher war der Ansatz ja folgender. Mit exklusiven Podcast-Episoden, die ausschließlich für zahlende Unterstützer sind, wollte man noch mehr Menschen dazu bewegen ein Patreon- oder Steady-Abo abzuschließen. Und natürlich kommen auch immer wieder neue zahlende Unterstützer hinzu, aber es gehen auch genauso viele oder mehr.

Das heißt, dass es insgesamt nicht genug Anreiz gab, damit die Zahl der Unterstützer wächst, was schon krass ist, wenn man sich anschaut, wie viel Content Insert Moin pro Woche produziert hat. Phasenweise waren es 5-6 Folgen pro Woche exklusiv für Unterstützer, auch wenn man das wieder etwas zurückgefahren hat.

Um nicht einfach so weiterzumachen, hat man sich nun entschieden stattdessen auf die Peitsche zu setzen, was natürlich etwas provokant formuliert ist, aber schon in diese Richtung geht.

Keine Exklusiv Podcast-Episoden, sondern mit Werbung nerven

Ab sofort sind alle Patreon Podcast-Folgen von Insert Moin wieder frei verfügbar (ca. 1.800 Folgen, die seit 2015 nur für Unterstützer verfügbar waren). Frühere Exklusiv-Folgen werden nach und nach manuell freigeschaltet.

Es gibt jetzt und in Zukunft (wahrscheinlich) keine exklusiven Folgen mehr für die Unterstützer. Alles gibt es ab sofort im freien Feed.

Stattdessen wird in allen Podcast-Episoden im freien Feed Werbung eingeblendet. Dafür ist man zum Hoster acast.com gewechselt, der diesen Service ab einer gewissen Podcast-Größe anbietet. Hier kann man einstellen, an welchen Stellen automatisch Werbeeinblendungen stattfinden sollen.

Zudem plant man auch selbst Werbung für Werbepartner einzusprechen, was ja gerade (leider) ein starker Trend in der Podcast-Szene ist. Das soll mehr Glaubwürdigkeit für die Werbekunden bringen. Mit der Werbung möchte man in Zukunft die rund 20.000 Abonnenten des freien Podcast-Feeds monetarisieren.

Wer keine Werbung in seinen Podcast-Episoden möchte, der muss dagegen weiterhin bei Patreon oder Steady Unterstützer werden. Evtl. bekommt man auch neue Episoden ein wenig früher als Unterstützer.

Neben den zusätzlichen Werbeeinnahmen erhofft man sich zudem vielleicht auch den Effekt, dass viele von der Werbung genervt sind und deshalb zahlende Unterstützer werden.

Wie findet ihr Werbung in Podcasts?

Ergebnis anschauen

Reist Insert Moin damit das Ruder rum?

Man wird abwarten müssen, ob die Rechnung aufgeht.

Im Best Cast erhält man zusätzlich ordentliche Werbeeinnahmen und gleichzeitig steigt die Zahl der zahlenden Unterstützer, die kein Bock auf Werbung haben.

Im Worst Case nervt die Werbung so viele, dass die Zahl der Hörer des freien Feeds sinkt und gleichzeitig viele Unterstützer keinen Grund mehr sehen jeden Monat Geld zu bezahlen, wenn doch alle Folgen auch im freien Feed verfügbar sind.

Wahrscheinlich liegt am Ende die Wahrheit irgendwo dazwischen und es wird sich unter dem Strich gar nicht so viel ändern, zumindest was die Gesamteinnahmen angeht. Das wäre sicher auch sehr frustrierend, denn gerade die Stagnation will man ja mit diesem Schritt aufbrechen.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich dieses Experiment entwickelt und werde die Entwicklung der Unterstützer-Zahlen verfolgen. Ob Insert Moin in Zukunft dann auch mal über die Entwicklung der Werbeeinnahmen spricht, bleibt abzuwarten.

Mich würde es nun sehr interessieren, was ihr von diesem Schritt haltet. Findet ihr Werbung in Podcast-Folgen in Ordnung, wenn es dafür alle Folgen ohne Bezahlschranke gibt? Oder nervt euch das eher?

Hinterlasst gern einen Kommentar.

Autor: Peer Wandiger

Hi, ich bin Peer und ich bin seit vielen Jahren leidenschaftlicher Podcaster. Hier schreibe ich über meine Erfahrungen beim Podcasten, gebe Tipps zu Software und Hardware und lasse euch hinter die Kulissen meiner Podcasts blicken.

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